OLG Köln: Luftmatratze ist 15.000 ? wert!


Mit einem Vergleich endete am 1. Juni der Rechtsstreit zwischen einer Frankfurter Kunstprofessorin und einem Kölner Galeristen vor dem Oberlandesgericht Köln (Az. 1 U 4/07). Der Galerist muss 15.000,- ? Schadenersatz für ein verloren gegangenes Kunstwerk zahlen, die ?Blaue Luftmatratze.?

Es handelte sich um eine 1983 entstandene Gemeinschaftsarbeit des weltbekannten Künstlers Martin Kippenberger und Albert Oehlens. Diese hatten auf eine Luftmatratze eine als ?Psychogramm? bezeichnete Aufschrift (?Ich? ? ?Es?) sowie 2 Fotos der Künstler aufgebracht, auf denen diese mit Sonnenbrillen und weit herausgestreckten Zungen zu sehen sind. Die Kunstprofessorin hatte auf Herausgabe oder Schadenersatz in Höhe von 20.000,- ? geklagt, nachdem sie den Galeristen im Jahre 2001 mit dem Verkauf des Werkes beauftragt hatte.

Das Kunstwerk war von einem Spediteur abgeholt worden, allerdings nie beim Galeristen angekommen, wie dieser im Prozess behauptete. ?Ein schöner Fall, der uns in den Bereich der Kunstszene führt,? äußerte der Vorsitzende des 1. Zivilsenats, Richter am Oberlandesgericht Christian Schmitz-Justen in der heutigen Verhandlung. Es handele sich um ein sehr beziehungsreiches Werk, da die 2 Künstler den Richtern während der Beratung des Falles ständig die Zunge herausgestreckt haben.

Der Senat wolle sich nicht ausmalen, was mit dem Werk nun passiert sei. ?Vielleicht ist die Blaue Luftmatratze nur auf die falsche Seite gelegt worden. Man dreht sie um, und schon ist es nur noch eine normale Luftmatratze. Vielleicht schwimmt sie jetzt auf dem Aachener Weiher, und ein kleines Kind hat seine Freude daran,? so Schmitz-Justen. Irgendetwas müsse da gewaltig schief gelaufen sein, man fühle sich daran erinnert, dass eine Putzfrau einmal das Kunstwerk ?Fettecke? von Joseph Beuys weggewischt habe.

In der Sache hielt der Senat den Galeristen aber für ersatzpflichtig, da er jedenfalls für den von ihm beauftragten Spediteur hafte, wenn das Werk schon nicht bei ihm angekommen sei. Schon das Landgericht hatte nach Anhörung eines Kunstsachverständigen den Wert der ?Blauen Luftmatratze? auf 15.000,- ? geschätzt.

Der Senat wies auf die besonderen Schwierigkeiten der Wertschätzung im vorliegenden Falle hin und riet den Parteien eine gütliche Einigung zu. Diese verständigten sich schließlich auf den Betrag von 15.000,- ?, wobei die Eigentümerin sich noch zur Herausgabe der von den Künstlern signierten Expertise für das Werk an den Galeristen verpflichtete, ohne die die Matratze nicht zu dem hohen Wert verkäuflich gewesen wäre. Sollte sie also doch noch einmal am Aachener Weiher auftauchen...

Az. 1 U 4/07

Quelle: Pressemitteilung des OLG Köln